Die Ökobilanz des täglichen Arbeitswegs mit dem Auto:
3,4 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr und Mitarbeiter
CO2-Emissionen auf dem täglichen Weg zur Arbeit sind ein wesentlicher Faktor. Nicht nur die Fahrt selbst ist klimaschädlich, denn auch die Produktion des Autos und des Kraftstoffs emittieren CO2. Die Ökobilanz von Auto versus Fahrrad auf dem Arbeitsweg zeigt: mit dem Fahrrad können Sie jährlich 3,4 Tonnen Tonnen CO2 einsparen!
Unter einer Ökobilanz versteht man eine systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten während ihres gesamten „Lebens“weges. Eine Ökobilanz umfasst:
- Sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes.
- Die Umweltwirkungen der damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z. B.: Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe).
- Zu den Umweltwirkungen zählt man sämtliche umweltrelevanten Entnahmen aus der Umwelt (z. B. Erze, Rohöl) sowie die Emissionen in die Umwelt (z. B. Abfälle, Kohlendioxidemissionen).[1]
Die ganze Wahrheit zur KFZ-Ökobilanz
Die meisten Autofahrer haben inzwischen eine ungefähre Vorstellung über den C02-Ausstoß Ihres Fahrzeugs pro Kilometer. Dabei orientieren sie sich meist an den Herstellerangeben im Prospekt, die in Gramm pro Kilometer angegeben werden. Wer sein Fahrzeug hauptsächlich als Transportmittel zum Arbeitsplatz einsetzt und sich Gedanken über alternative Fortbewegungsmittel macht, kann bei der Berechnung seines persönlichen ökologischen Fußabdrucks allein aufgrund dieser Angabe jedoch leicht zu falschen Schlussfolgerungen gelangen. Denn der CO2-Ausstoß pro km nach Normverbrauch ist nicht einmal die halbe Wahrheit der KFZ-Ökobilanz auf dem Weg zur Arbeit.
CO2-Emissionen bei der KFZ-Produktion
Eine einigermaßen korrekte Abschätzung der privaten Ökobilanz des täglichen Arbeitswegs beginnt schon bei der Anschaffung des Fahrzeugs. Mehrere Fahrzeughersteller haben inzwischen Umweltbilanzen für bestimmte Fahrzeugtypen erstellt, in denen der gesamte Lebenszyklus von der Produktion bis zur Verschrottung untersucht wird.[2]
Diesen Bilanzen kann man entnehmen, dass bereits die Produktion jedes einzelnen Fahrzeugs CO2-Emissionen von mehreren Tonnen verursacht. So z.B. bei folgenden Fahrzeugtypen:
CO2-Emission Produktion
- VW Golf : 4,6 Tonnen
- Mercedes C Klasse: 6,4 Tonnen
- Mercedes E Klasse: 8,3 Tonnen
- Mercedes S Klasse: 10,4 Tonnen
Dies bedeutet:
Ein Fahrzeug, beispielsweise der Golf-Klasse, das neu beim Händler steht, hat – ohne einen Meter gefahren zu sein! – bereits genauso viel CO2 emittiert hat wie ein Fahrzeug, das bei einem angenommenen Verbrauch von 7,5 Litern Benzin 26.500 Kilometer gefahren ist.
Arbeitswege = Kurzstrecken. Das heißt: mehr Verschleiß, mehr Benzin, mehr Wartungskosten
Geht man von einer Entfernung von 10 Kilometern zum Arbeitsplatz aus, mutet man seinem Fahrzeug rein technisch einige Strapazen zu. Bei 250 Arbeitstagen bedeutet dies pro Jahr: 500 mal Kaltstart und Kurzsteckenbetrieb. Auch wenn heute Anlasser und Batterien diesen Anforderungen gewachsen sind, ist der technische Verschleiß aller bewegten Teile in Motor, Getriebe und Achsen hoch.
Für den Benutzer bedeutet dies:
- kurze Wartungsintervalle und hohe Wartungskosten.
- einen um bis zu 50 % höheren Kraftstoffverbrauch.
CO2-Emissionen aus dem Benzinverbrauch: 1,1 Tonnen pro Arbeitsjahr
Für die meisten Fahrzeuge der Mittelklasse kann man von einem Kurzstreckenverbrauch von ca. 10 Litern pro 100 km ausgehen. Die Verbrennung eines Liters Benzinkraftstoffs verursacht CO2-Emissionen von 2,33 kg. Die Verbrennung eines Liters Dieselkraftstoffs verursacht CO2-Emissionen von 2,64 kg.
Die CO2-Emissionen aus dem reinen Kraftstoffbrauch des Arbeitsweges lassen sich also wie folgt abschätzen:
Normverbrauch (Benzin): 7,5 Liter/100 km
Kurzstreckenverbrauch (Benzin): 10 Liter/100 km
CO2-Emission (Benzin): 2,33 kg pro Liter
CO2-Emission pro Kilometer (Benzin): 233 Gramm
CO2-Emission pro Arbeitstag: 233 g x 20 km = 4,66 kg
Gesamt: CO2-Emission pro Jahr 1,1 Tonnen (bei 240 Arbeitstagen)
CO2-Emissionen aus der Kraftstoffbereitstellung: 280 Kilogramm pro Arbeitsjahr
Diese Rechnung berücksichtigt aber noch nicht alle CO2-Emissionen des Arbeitsweges im Sinne einer vollständigen Ökobilanz. Genauso wenig, wie der Strom aus der Steckdose kommt, kommt das Benzin aus dem Boden der Tankstelle.
Die Bereitstellung des Kraftstoffes an der Tankstelle verursacht CO2-Emissionen von der Förderung des Rohöls am Bohrloch über dessen Transport zur Raffinerie, der Aufbereitung dort zu Benzin oder Diesel bis hin zum Transport an die Tankstelle. Das Öko-Institut hat in seiner GEMIS Datenbank Berechnungen zum CO2-Ausstoß dieser so genannten „Vorketten“ angestellt und kommt zu folgendem Ergebnis:[3]
Indirekte CO2-Emission der Kraftstoffbereitstellung
- Benzin: 0,585 kg pro Liter
- Diesel: 0,492 kg pro Liter
Die CO2-Emissionen aus der Kraftstoffbereitstellung des Arbeitsweges lassen sich damit wie folgt berechnen:
CO2-Emission pro Kilometer (Benzin): 58,5 g
CO2-Emission pro Arbeitstag: 58,5 g x 20 km = 1,17 kg
Gesamtsumme CO2-Emission pro Jahr (bei 240 Arbeitstagen): 280 Kilogramm
CO2-Emissionen bei der KFZ-Verwertung: 0,3 Tonnen pro PKW
Die Ökobilanz als Prozessbilanz von der Wiege bis zur Bahre eines PKW sollte neben Produktion und Nutzung des Fahrzeugs schließlich auch die Verwertung am Ende eines Autolebens berücksichtigen. Nach den Umweltbilanzen der Hersteller sind hierfür anzusetzen:
CO2 Emission Verwertung eines PKW 0,3 Tonnen
Die ganze Ökobilanz für den Arbeitsweg mit dem Auto
Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitgeber das Dienstfahrzeug für 36 Monate least und danach durch ein Neufahrzeug ersetzt[4] und der sein Fahrzeug hauptsächlich als Transportmittel zum Arbeitsplatz gemäß obiger Modellrechnung einsetzt, kann seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck mittels der vorgestellten „Ökobilanz Arbeitsweg“ wie folgt abschätzen:[5]
CO2-Emission Produktion: 2,0 Tonnen pro Jahr
CO2-Emission Benzinverbrauch: 1,1 Tonnen pro Jahr
CO2-Emission Kraftstoffbereitstellung: 0,28 Tonnen pro Jahr
CO2-Emission Weg zur Arbeit: 3,4 Tonnen pro Mitarbeiter und Jahr
Entsprechend verursacht die Arbeitsplatzmobilität mittels PKW bei einem Betrieb mit 1000 Mitarbeitern CO2-Emissionen von 3400 Tonnen im Jahr.
100 radelnde Mitarbeiter sparen 340 Tonnen CO2-Emissionen ein
Wenn also nur 10 Prozent der Mitarbeiter auf das Fahrrad als emissionsfreies Transportmittel[6] umsteigen, dann bedeutet dies die Einsparung von 340 Tonnen CO2-Emissionen.
Weitere ökologische und ökonomische Vorteile aus dem Umstieg vom PKW auf das Fahrrad für das Unternehmen
Weitere Vorteile resultierten für das Unternehmen aus dem geringeren Parkplatzbedarf mit entsprechend verringertem Flächenverbrauch (ca. 15m² pro Parkplatz): ca. 1500m² weniger Flächenverbrauch und der Einsparung von Baukosten (ca. 5.000 Euro pro Parkplatz). ca. 500.000 € eingesparte Baukosten für Parkplätze.
Für Mitarbeiter und Unternehmen ergibt sich schließlich noch ein weitere wichtiger Vorteil aus der stärkeren Nutzung des Fahrrads als nachhaltiges Transportmittel zum Arbeitsplatz: Eine verbesserte Gesundheit der Mitarbeiter mit deutlich weniger Fehlzeiten.
[1] Vgl. hierzu und zu weiteren Erläuterungen und Abgrenzungen den entsprechenden Artikel auf Wikipedia.de
[2] Vgl. z.B. „Umweltzertifikat für die C/E/S. Klasse“ auf mercedes-benz.com oder „Der Golf. Umweltprädikat Hintergrundbericht“ zum downloaden auf volkswagen.com[3] Öko Institut, GEMIS (GlobalesEmissionsModellIIntegrierteSysteme); eine Aufbereitung der Daten für die Kraftstoffbereitstellung findet sich beim Info Zentrum Umwelt Wirtschaft des bayerischen Landesamtes für Umwelt izu.bayern.de
[4] D.h. alle 3 Jahre wird für diesen Mitarbeiter ein neues Auto produziert und es sind entsprechend ein Drittel der Produktionsemissionen anzusetzen, auch wenn das Fahrzeug nach Ablauf des Leasings weitergenutzt wird.
[5] Die CO2 Emission für die Verwertung entfallen, da das Fahrzeug wohl weitergenutzt wird.
[6]Natürlich verursacht ein Fahrrad bei der Produktion ebenfalls CO2 Emissionen, Qualifizierte Studien hierzu liegen nicht vor, doch kann man entsprechend der PKW Produktion von folgenden Zahlen ausgehen: die CO2 Emission der Produktion entspricht ungefähr dem 3,5 fachen des Fahrzeuggewichts (3,5 x 1500kg = 5.250gg). Ein Fahrrad verursacht somit 3,5 x 15kg = 52 kg CO2 Ausstoß oder 0,052 Tonnen.
Geschrieben von: sl
