Liebe JobRadler/innen,
der momentane Trend bei den E-Bikes ist nicht zu verachten. Damit verbunden könnte es in naher Zukunft in Deutschland “Autobahnen” für Fahrräder geben: sogenannte Radschnellwege.
Was sind Radschnellwege?

Radschnellweg
Einige von Euch haben sicher schon einmal in der Zeitung etwas über Radschnellwege gelesen, für alle anderen zunächst einmal eine begrifflichen Einordnung: Radschnellwege sind quasi Autobahnen für Räder mit z.B. eigenen Fahrspuren speziell für schnellere Fahrräder. Sie sind mit normalen Fahrradwegen vergleichbar, sind jedoch breiter, teilweise durch eine sichtliche Trennung von der Straße abgegrenzt und es gelten häufig auch spezielle Vorfahrtsregelungen, was sie für die Radler sicherer macht. Ein weiterer großer Vorteil der Radschnellwege ist, dass die Radler auch schneller an ihr Ziel kommen und das nicht nur im innerstädtischen Bereich, wo erwiesenermaßen das Rad ohnehin das schnellste Verkehrsmittel ist, sondern auch Außerorts. Notwendig dafür ist allerdings, dass die Fahrbahnen gut ausgebaut und geräumt sind. Den Radfahrern soll dadurch in einem Einzugsbereich von 5 km bis etwa 20 km ein schnelles, sicheres und attraktives Fahren in ihrem Fahrradalltag ermöglicht werden. Fahrradfahren lohnt sich also und hält zusätzlich auch fit und gesund.
Radschnellwege stehen in vielen europäischen Ländern (bspw. Kopenhagen in Dänemark) bereits seit längerem im Zusammenhang mit der Radverkehrsförderung als Teil einer nachhaltigen Verkehrsplanung. Das Ziel eines solchen Radschnellweges ist es den Verkehr auf der Straße bzw. den ÖPNV zu Stoßzeiten zu entlasten und dafür zu sorgen, dass die (ohnehin) ungeschützten Fahrradfahrer sicherer im Straßenverkehr sind. Denn das Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr geht primär vom Auto aus und nicht von den Fahrrädern. Gleichzeitig wird auch der CO2-Ausstoß in den Stadtbereichen reduziert, was sich wiederum vorteilhaft auf die Umwelt auswirkt.
Niederlande: erster Radschnellweg für E-Bikes

Fietspad F35: Radschnellweg von Enschede nach Hengelo
Vorreiter und Ursprungsland bei den Radschnellwegen ist, wie könnte es beim Thema Fahrrad anders sein, die Niederlande. Bereits in den 1980er Jahren wurden „fietssnelwegen“ erprobt und sind mittlerweile in vielen Orten umgesetzt. Das Ziel war es, die Fahrer aus ihren Autos heraus und aufs Rad zu bekommen, weshalb sie oft direkt neben jenen Straßen gebaut wurden und werden, die unter großen Stauproblemen leiden, so dass die Autofahrer sehen können, dass sie mit dem Rad schneller am Ziel wären. Seit 2006 werden landesweit Radschnellwege geplant und angelegt, überwiegend in Ballungsräumen. Auch in Deutschland gibt es erste Ansätze im Ruhrgebiet: „Schließlich ist die Zeit günstig […]: Durch Ziele und Anforderungen aus Klimaschutzrahmenprogrammen, die starke Zunahme von Elektrofahrrädern, steigende Energiekosten sowie Aspekte der Gesundheitsförderung steigt die Bedeutung eines attraktiven und sicheren Radverkehrs.“[1]
Doch damit nicht genug. Im Zuge des derzeitigen europaweiten E-Bike-Trends legen die Niederlande nun weiter vor. Momentan befindet sich zwischen Amsterdam und dem 25 km entfernten Almere der erste Radschnellweg in der Bauplanungsphase, der eigens für Pendler von E-Bikes und Elektro-Rollern gebaut wird und noch vor Ende des Jahres fertiggestellt werden soll. Laut Industrieexperten wird es für einen langanhaltenden europaweiten Trend bei der elektrischen Mobilität unumgänglich sein, dass man Radschnellwege zwischen wichtigen Städten bauen sollte.
London investiert 1 Milliarde Euro für Radler

CS3 Radschnellweg in London
Auch London will in die Fahrradinfrastruktur investieren und dafür rund 1 Milliarde Euro (914 Mio. Pfund) in den kommenden 10 Jahren. Die Idee hat ihren Ursprung bei der Straßennutzung während der Olympischen Spiele 2012 in London. Mit dieser Summe soll das Fahrradfahren zu einem festen Bestandteil des Verkehrssystems werden. Dabei ist unter anderem eine Ost-West-Verbindung in Form einer „Autobahn“ für Räder geplant, um die äußeren Stadteile mit der Innenstadt zu verbinden. Damit es dort zu keinen Problemen mit unterschiedlich schnell fahrenden Radlern kommt, soll diese Straße mehrspurig sein, wo sich unterschiedliche Radfahrtypen anhand ihrer Fertigkeiten und Geschwindigkeiten, der entsprechenden Fahrspur einreihen können. Auch die oben genannte Gefahr möglicher Zusammenstöße zwischen Rad und Auto ist so gut wie ausgeschlossen, da es extra (vom Autoverkehr abgekoppelte) Fahrradstraßen geben wird.
Insgesamt sollen zwölf Schnellwege gebaut werden und direkt ins Zentrum führen. Bereits im Mai 2012 wurde der erste Cycle Superhighway eröffnet. Aktuell sind vier der Routen im Betrieb, zwei weitere sollen noch in diesem Jahr fertig gestellt werden. Das Gesamtprojekt selbst soll bis 2015 abgeschlossen sein.
Quellen:
BMVBS
London investiert 1 Mrd € für Räder
Electric Freeway in Almere
WDR
ADFC
WISA
Bikeradar
[1] http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/praxisbeispiele/anzeige.phtml?id=2175#projektbeschreibung