Manfred Neun, Präsident der European Cycling Federation (ECF), hielt am 23. Juli 2010 die Eröffnungsrede anlässlich des 3. Ispo Innovation Forums während der BIKE EXPO in München. Aufbauend auf dem Erfolg der Velo-City Global Konferenz 2010 in Kopenhagen (Juni 22-25) umriss er die wichtigsten Schritte, die es zu machen gilt, wenn man Radfahren als bereichernde Entwicklung für die Zukunft sieht. Man könnte die Frage stellen: “Was können Radfahrer beispielsweise für eine Stadt, für eine Region, oder für ein Unternehmen tun? ” Nur wenn die Vorteile des Radfahrens als “Geld-Wert” akzeptiert werden würden, könnten Investitionen ernst genommen werden.
Die Mitglieder der Fahrrad-Industrie freuten sich überdie Ausführungen von Manfred Neuns zum Pedelec. Er stellte die Frage “Was ist innerhalb der nächsten 10 Jahre wichtiger für ein Land wie Deutschland – eine Million E-Autos oder 10 Millionen Pedelecs?”
Pedelecs haben ein dreifaches Potenzial, eine weite Verbreitung zu finden: Erstens werden sie bereits mit der erforderlichen Technik produziert, zweitens stellen Sie einen möglichen Weg für immer mehr Menschen dar, ihre Mobilität zu erhöhen und drittens erlauben sie Städten und Regionen, ihre Mobilitäts-Infrastruktur weiter zu entwickeln. “E-Autos sind ein Anachronismus mit positiven Wirkungen nur für die Automobilindustrie”, so Manfred Neun. Aber nur, wenn die Fahrrad-Industrie die Gelegenheit ergreifen würde, in das gesamte Radfahr-System zu investieren und nicht nur in die Produktentwicklung, wäre ein messbarer Erfolg am Markt erreichbar.
Ein weiteres Thema, das sofort angegangen werden solle, beziehe sich darauf, in den öffentlichen Fahrradverkehr als integralen Bestandteil des öffentlichen Verkehrsnetzes zu investieren. Der Erfolg sei hier von den Fähigkeiten der lokalen und regionalen Regierungen abhängig, ihre Verantwortung für den öffentlichen Verkehr zu akzeptieren und anzunehmen. Der öffentliche Fahrradverkehr bietet bekanntlich das günstigste Kosten-Nutzen-Verhältnis von allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Beziehung wird weiter bei der nächsten Ausgabe der Velo-City Konferenz-Serie in Sevilla (Spanien) von 23.-25. März 2011 betrachtet werden. Dort soll es zu einer weiteren Verbesserung der Ergebnisse der Konferenz von Kopenhagen [Velo-City 2010] kommen und damit der Maßstab gesetzt werden für die beste Konferenz hinsichtlich aller Aspekte der Entwicklung des Radfahrens.
In der abschließenden Podiumsdiskussion, erklärte Hep Monatzeder, Bürgermeister von München, in einer eindrucksvollen Art und Weise, wie die Stadt München das “Cycling-as-a-System -Paradigma” nach der Gastgeber-Ausgabe 2007 der Velo-City Global Konferenz angenommen hat. Die Stadt beginnt derzeit ihre neue Fahrrad-Kampagne. München ist auch ein Gründungsmitglied des globales Netzwerkes “Städte für Radfahrer”, das von der ECF in Kopenhagen ins Leben gerufen wurde. Das zweite globale ECF-Netzwerk, welches anlässlich der Velo-City Global gestartet ist, heisst “Wissenschaftler für Radfahrer”. Es verspricht, die Entwicklung des Radfahrens durch eine bessere Verbreitung von Wissen voranzutreiben.